Abgasskandal 2:0 Bericht vom Februar 2016

Hacker haben öffenbar die Lkw-Software aller großen Lkw-Hersteller geknackt! Die Recherchen des Berufsverbandes AbgasskandalCamion Pro legen den dringenden Verdacht nahe, dass das organisierte Verbrechen in Osteuropa die Abgasmanipulationen von Nutzfahrzeugen als erträgliche Einnahmequelle entdeckt hat. Unternehmen aus Osteuropa und China versorgen den Schwarzmarkt im industriellen Stil mit Soft- und Hardware, die ausschließlich dem Zweck dient, die AdBlue-Abgasanlagen von Nutzfahrzeugen zu manipulieren. Auch auf deutschen Autobahnen wären nach Insider-Informationen bis zu 20 % der Lkw betroffen. Der anzunehmende Umweltschaden dürfte immens sein, und der mögliche Schaden für das deutsches Mautsystem könnte sich demnach in den letzten fünf Jahren auf bis zu mehrere hundert Millionen € belaufen! Lkw-Hersteller, Bundesregierung und Behörden zeigen sich sich von diesen Erkenntnissen völlig überrascht.

 „Viele, viele Lkw in Rumänien sind mit manipulierter Software unterwegs. 70 % der rumänischen Lkw, die in Europa fahren, fahren ohne AdBlue! Die andern Osteuropäer machen das auch so!“ Diese verblüffende Aussage machte „Mustafa“, ein in Rumänien lebender „Geschäftsmann“ mit türkischen Wurzeln, gegenüber Camion Pro e.V..bei undercover Recherchen des Berufsverband in Rumänien. Was Camion Pro da angeboten wird, hat es allerdings in sich! Die Argumente und die detaillierten Beschreibungen, z. B. wie die AdBlue-Killer funktionieren, warum die Polizei und andere Behören in Deutschland und Europa jahrelang die Manipulationen nicht festgestellt haben, wie viel Geld ein Unternehmen spart, das die Schummelsoftware einsetzt, beschreibt Mustafa bis ins Detail! „Mustafa“ nennt des Weiteren auch konkret Lkw-Werkstätten im Ausland, bei denen man nicht nur den Lkw reparieren oder die Inspektion durchführen lassen kann, sondern gleich die Adblue-Anlagen stilllegen lassen kann.

Andreas_Mossyrsch_als_Frank_MeinhardIntensive Recherchen des Berufsverbandes Camion Pro ergeben, dass die Aussagen von „Mustafa“ offenbar nicht aus der Luft gegriffen sind! Offenbar ist die Manipulation von AdBlue-Anlagen ein im industriellen Stil organisierter Geschäftsbereich des organisierten Verbrechens, und der Betrieb mit manipulierten Lkw-Abgasanlagen könnte für osteuropäische Speditionen tatsächlich ein einträgliches Geschäft darstellen. Technisch sind die Manipulationen kaum nachweisbar, deswegen bestand bisher kaum ein Risiko, erwischt zu werden.

Chinesische Unternehmen entwickeln Software und elektronische Bauteile und verkaufen im großen Stiel nach Osteuropa.
Camion Pro stieß bei seinen weiteren Recherchen auf „Zulieferbetriebe" in China und Osteuropa. Diese Betriebe liefern, offenbar im industriellen Stil, Bauteile, die ausschließlich zu dem Zweck entwickelt und hergestellt wurden, die Abgasanlagen der Nutzfahrzeuggenerationen Euro 5 und 6 zu manipulieren. Auffallend ist, dass es offenbar mehrere Hersteller für AdBlue-Killer gibt. Camion Pro hat Kontakt zu Werkstätten und illegale „Dienstleister“ im Ausland, die die vollständige Umrüstung von allen gängigen Nutzfahrzeugmarken anbieten. Als  sich Camion Pro als „Großkunde“ bei Vertriebsorganisationen in Russland, China und Großbritannien ausgab, erhielt der Berufsverband verblüffendes Material. Neben Informationen, wie die Bauteile unbemerkt betrieben werden können, erhielt der Verband sogar eine Preisliste für Händler und Großabnehmer. Um an die AdBlue-Killer zu gelangen, muss man aber nicht in Kontakt zur Unterwelt treten. Insider, die den Suchbegriff AdBlue Emulator kennen, können bei ebay von chinesischen und osteuropäischen Elektronikunternehmen die Umrüstsätze samt Einbauanleitung für teilweise unter 50,- € bestellen und frei Haus liefern lassen. Wer mit den Einbau-Anleitungen nicht klarkommt, kann sich bei YouTube Videos für den Selbsteinbau runterladen! ebay Polen oder ebay Rumänien sind voll mit angeboten, und sogar bei ebay Deutschland kann man sich die AdBlue-Killer zuzüglich gesetzlicher MwSt kaufen.

 Wenn Einschätzung von "Mustafa“ zutrifft, wären von den Manipulationen bis zu 20 % der Lkw auf der deutschen Autobahn betroffen! Der Umweltschaden wäre immens, und speziell das Deutsche Toolcollect-System, das für umweltfreundliche Lkw deutlich günstigere Mautsätze vorsieht, wäre in den letzten fünf Jahren um hunderte Millionen € geprellt worden!

 Wirtschaftlich interessant sind die Manipulationen deswegen, da diese umgerüsteten Lkw kein AdBlue mehr brauchen. Der Adblue „filtert“ 90 % der Stickoxide während des Verbrennungsvorgangs aus den Abgasen.  

„Ohne AdBlue kannst du leicht 3000,- € pro Lkw im Jahr sparen“, erklärt „Mustafa“ die Geschäftsidee. Ob diese Zahl realistisch ist, ist schwer zu sagen. Die Kosten von AdBlue sind von einigen Faktoren abhängig. Zudem schwanken auch hier die Preise innerhalb der verschiedenen Staaten und über die Jahre. In Osteuropa sind Lkw nicht selten mit Doppelbesatzung, also mit zwei Fahrern, unterwegs. Somit sind auch Jahreskilometerleistungen von über 200.000 km möglich und das Rechenbeispiel von „Mustafa“ nicht völlig von der Hand zu weisen.

Für eine mittelständische Spedition mit 100 Lkw wäre eine Einsparung an Adblue-Kosten in sechsstelliger Höhe gut vorstellbar. Nicht nur in einem Land wie Rumänien ist das eine Menge Geld.

Bei Recherchen in der „Zulieferindustrie“ wird offenkundig: Die Manipulation von AdBlue-Anlagen ist offenbar ein im industriellen Stil organisierter Geschäftsbereich des organisierten Verbrechens.  Zumeist chinesische und osteuropäische Elektronikunternehmen bieten Umrüstsätze samt Einbauanleitung an. Insider, die die richtigen Suchbegriffe kennen, können sogar bei ebay bestellen und die Bauteile frei Haus liefern lassen.

Warum braucht man einen AdBlue-Killer, wenn man den Lkw ohne AdBlue betreiben möchte?

„Adblue-Mangel Euro-6-Fahrzeuge gehen in den Kriechgang

Mit Euro 5 regelt die Bordelektronik die Motorleistung bei leerem Adblue-Tank zurück. Euro-6-Lkw fahren ohne das Reduktionsmittel nur noch Tempo 20. „

So ein Bericht zum Thema AdBlue von eurotransport.de  des ETM-Verlages.

„Wer ohne Adblue fährt, weil entweder der Tank leer, die Adblue-Einspritzanlage defekt ist oder aber vom Betreiber eine falsche Flüssigkeit eingefüllt wurde, muss künftig mit noch schwereren Sanktionen durch die Bordelektronik rechnen, als das noch bei Euro-5-Nutzfahrzeugen der Fall war. Ohne Adblue geht kaum noch was!

Demnach …“haben die Fahrzeugher¬steller zunächst einmal eskalierend gestufte Sanktionen vorgesehen. Das entspricht den Vorgaben des europäischen Gesetzgebers. Laut Heimo Schreier vom Entwicklungsdienstleister AVL List stellt die entsprechende EU-Verordnung durch ein vorgeschriebenes Fahreraufforderungssystem sicher, dass für das SCR-System nur Adblue in entsprechender Menge und Qualität verwendet wird.“

Im weiteren Verlauf beschreibt  eurotransport.de  auch die Konsequenzen für die Umwelt.

„Denn ist der Adblue-Tank trocken, erfüllt ein Nutzfahrzeug bei Weitem nicht mehr die Abgasnorm, sondern fährt unter Umständen als Euro-0-Fahrzeug vor. Die Reduktion von Stickoxiden (NOx) im SCR-Katalysator zu den harmlosen Substanzen Wasser und Stickstoff bleibt ohne die wässrige Harnstofflösung mit dem Handelsnamen Adblue aus. Die augenfälligsten Folgen: Die Umwelt wird mehr belastet als erlaubt, die Mautgebühr zu niedrig berechnet. Die Sanktionen sollen sicherstellen, dass nicht aus falscher Sparsamkeit oder mit betrügerischer Absicht Adblue "vergessen" wird. Die Hersteller haben über alle Fahrzeugmarken hinweg die erforderlichen Sanktionen entsprechend implementiert.

(Quelle  eurotransport.de)

Aber eben diese „Implementierung“ wurde ganz offensichtlich gehackt, und jedermann kann sich nun die Bausätze bei bbay betellen und mit ein paar Handgriffen einbauen und damit die Werkssoftware umgehen! Darüber, dass der Betrieb ohne AdBlue auf jeden Fall verhindert werden muss, sind sich Hersteller und Europäische Union offenbar einig gewesen. Auch darüber, dass mit „betrügerischen Absichten“ zu rechnen ist, war man sich in Brüssel und den Konzernspitzen demnach im Klaren. Was man wohl falsch eingeschätzt hat, ist die kriminelle Energie mit der die internationalen „Geschäftswelt“ das System unterläuft. Fakt ist: Jedermann kann sich bei ebay für unter 50,-€ einen Bausatz bestellen und seinen Lkw damit umwelttechnisch in die 80er-Jahre zurückversetzen.

Umweltschaden


Wie problematisch sind Stickoxide?

„Stickoxide wirken an verschiedenen Stellen der Atmosphäre. Sie tragen maßgeblich zum Abbau von Ozon in der Stratosphäre bei), spielen als klimawirksame Gase eine Rolle bei der globalen Erwärmung , sind Verursacher sauren Regens und spielen eine Rolle bei der Entstehung von Smog …“

 „Stickoxide - insbesondere Stickstoffdioxid - reizen und schädigen die Atmungsorgane. Erhöhte Konzentrationen in der Atemluft haben einen negativen Effekt auf die Lungenfunktion von Kindern und Erwachsenen. Sie sind maßgeblich für die Entstehung des Sauren Regens mitverantwortlich…“.

..“Bodennahe Stickoxide sind beim sogenannten Sommersmog verantwortlich für die Ozonbildung (O3) unter Einfluss von UV-Strahlung.[8] Die Bildung des Ozons wird hier durch das UV-Licht der Sonne ausgelöst“

„…..“Außerdem sind sie klimawirksam und verstärken die Erderwärmung. „ (Quelle Wikipedia)

 

 "Stickstoffdioxid, das hauptsächlich aus Kfz-Abgasen stammt, entwickelt sich zum Schadstoff Nummer eins", schlägt das Umweltbundesamt (UBA) Alarm, "…(Quelle: sueddeutsche.de)

 

Adblue-Killer im Vergleich

Stellt man den möglichen Umweltschaden durch die AdBlue-Killer dem Abgasskandal von Volkswagen gegenüber, wird es schwierig; schließlich lässt sich derzeit nicht konkret beweisen, wie viele Lkw wirklich AdBlue_Tankstellemit der manipulierten Software unterwegs sind. Vergleicht man aber den Einzelfall, also einen 40-Tonner-Lkw neuester Baureihe und mit integriertem AdBlue-Killer mit einem VW Golf mit „Mogelsoftware“, bekommt man ein gutes Gespür, was hier möglicherweise in den letzten Jahren abgelaufen ist.  

Der VW Golf legt im Jahr im Durchschnitt ca. 12.000 km zurück und verbraucht ca.  4,5 l/100 km; das entspricht einem Jahresverbrauch von 540 Litern.

Lkw im internationalen Fernverkehr legen ca. 120.000 - 150.000 km pro Jahr zurück. Wenn das Fahrzeug mit zwei Fahrern unterwegs ist, kann die Jahreslaufleistung auch die 200.000-km-Grenze überschreiten. Bei einem Verbrauch von ca. 35 l/100 km kommen im Jahr  54.000 l Diesel zusammen. Assoziiert man den Dieselverbrauch mit dem Schadstoffausstoß, kommt man auf einen Wert, der einhundert Mal höher ist als der eines Golf. Hinzu kommt aber, dass die Manipulation der Wolfsburger Autoschmiede vergleichsweise human war. Es ging ja nur darum, ein relativ sauberes Fahrzeug über die in den USA relevanten Grenzwerte zu hiefen. Anders als bei den AdBlue-Killern; durch die Technik wird der Lkw in die umwelttechnische Epoche der 80er oder 90er Jahre katapultiert. Je nach Quelle wird von Euro 3 oder sogar Euro 0 ausgegangen. Das schockierende Ergebnis der Gegenüberstellung:
Ein Lkw im internationalen Fernverkehr mit „AdBlue-Killer“ verschmutzt die Umwelt einige hundert Mal mehr als ein VW Golf mit „VW-Mogelsoftware“.


Deutsche Transportunternehmen sind kaum betroffen.


Trotz des offenbar frei zugänglichen Marktes für AdBlue-Killer, z. B. über ebay, dürfte das vor allem ein osteuropäisches Phänomen sein. Es ist kaum vorstellbar, dass in Deutschland größere Flotten mit dieser Technik ausgestattet sind. Um so etwas zu bewerkstelligen, benötigt man ein kriminelles Netzwerk, das die Beschaffung, den Einbau und den Betrieb sicherstellt. Das setzt zahlreiche Mitwisser, die über Jahre Stillschweigen bewahren, voraus. Jeder Fahrer, der mit so einem Lkw unterwegs ist, bemerkt natürlich, dass das AdBlue im Tank offenbar nicht zur Neige geht.
Der Fuhrparkleiter müsste ebenso wie die meisten Funktionsträger „eingeweiht" sein. Selbst der Buchhaltung würde auffallen, dass nur Diesel und kein AdBlue eingekauft wird. Bei einer Spedition wär damit fast die gesamte Belegschaft betroffen. Wer solche Geschäftsmodelle in großen Stil verfolgt, muss sich nicht nur in einem kriminellen Umfeld bewegen, sondern auch sicherstellen, dass die eigenen Mitarbeiter nicht „auspacken“. In einem Unternehmen in Deutschland, selbst bei nur zehn Mitarbeitern, ist das kaum zu bewältigen. Ein Unternehmer würde spätestens beim ersten Arbeitsgerichtsprozess merken, dass er zur Geisel seiner Mitarbeiter geworden ist.    
 Bei den Befragungen osteuropäischer Lkw-Fahrer und Recherchen in Osteuropa ist der Berufsverband Camion Pro auf aber genau solche Netzwerke gestoßen. Korruption, Sozialversicherungsbetrug, Steuerhinterziehung, Arbeitsverhältnisse, die sich teilweise sogar nah am Menschenhandel bewegen, und Arbeitnehmer, die sich nicht trauen, ihre Rechte wahrzunehmen. Das ist genau das Umfeld, das für die groß angelegten Schwindeleien notwendig ist.
 Erfahren Sie auf unserer Webseite www.camionpro.eu mehr über die verdeckten Recherchen des Berufsverbandes Camion Pro e.V. in Rumänien und in der Logistikbrache.