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Dienstag, 7. Februar 2012
Transcamion
Skandalthema: LKW-Parkplätze 2. Teil PDF Drucken E-Mail
Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 23. August 2009 )
 

Skandalthema: LKW-Parkplätze 2. Teil

Die Parkplatzkiller

"Sag mir, wo ein Parkplatz ist ..."

Der wirkliche Skandal beim Kampf für ein ausreichendes LKW-Parkplatzangebot: Mehr als 5.000 LKW-Parkplätze könnten im Grunde "aus dem Stand" heraus realisiert werden! Und das, ohne großen finanziellen Aufwand. Die müssen nicht erst gebaut werden! Nein, die sind längst da! Viele Parkflächen sind aus dem Laien unerfindlichen Gründen gesperrt: Autobahnmeistereien nutzen sie als Lagerplätze für Baumaterial;  wieder andere, in diesen Fällen recht große Parkflächen, sind von der Polizei für sporadische Kontrollmaßnahmen dauerhaft gesperrt. Gerade hier wäre es weitaus sinnvoller, diese Parkplätze freizugeben und nur dann abzusperren, wenn Kontrollen angesagt sind.

 

Mehr als 5.000 Parkplätze verkommen grundlos

Trucker haben größtenteils gar keine Chance, ihre gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten einzuhalten, weil sie nirgendwo parken können. Damit bietet Deutschland den LKW-Fahrern miserable Arbeitsbedingungen. Hochgerechnet könnten in kürzester Zeit mehr als 5.000 LKW-Parkplätze ohne großen finanziellen Aufwand realisiert werden. 

Um schnellstens eine Besserung in der bestehenden Notsituation zu bewirken, müssen nur etliche stillgelegte Parkplätze wieder "belebt" werden. Camion Pro-Vorstand Andreas Mossyrsch hat rund um München nur ein wenig recherchiert und ist allein dabei schon auf vier "schlafende" und teilweise leider auch verkommende Parkplatz-Anlagen gestoßen: 365 Tage und Nächte im Jahr kein Ruheplatz für Brummifahrer!

 

 

A99: Hier ist auf ca. 1.500 Meter Länge ein Parkplatz ausschließlich für polizeiliche Kontrollmaßnahmen gesperrt. Auch wenn keine Kontrollen laufen, darf hier kein Trucker schlafen. Stellflächen für ca. 50 bis 60 Brummis gehen damit verloren. Camion Pro fordert: Kontrollen sind wichtig, aber noch wichtiger ist es, den Fahrern dringend benötigten Parkraum zur Verfügung zu stellen, den sie ja schließlich auch zur Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen brauchen!

 

 

 Am Ende der A8: Dauerhaft gesperrt!

 

A8, direkt am Autobahnende: Der ehemalige Lotsenpunkt wurde vor Jahren gesperrt und ist seitdem auf dem Weg zum Biotop. Der Fahrbahnbelag ist immer noch in gutem Zustand. Rasenmäher und Kehrmaschine könnten hier innerhalb von Tagen gut 40 Parkplätze aus dem "Boden stampfen"!

 

 

 

  

Ein idyllisches Plätzchen für Ruhe bedürftiges Baumaterial!

 

 

A995 bei München-Unterhaching: Hier wird Baumaterial der Autobahnmeisterei gelagert und nebenbei Brennnesseln und andere Unkräuter "gezüchtet". Ein Dutzend PKW oder eben einige LKW könnten auch hier stehen und zur Entspannung der allgemeinen Parkplatznot beitragen!

 

 

Für 10m² Baumaterial müssen gut 15 Trucks weiterfahren!

 

 

A9 in Höhe Neufahrn: Hier "verkommt" jede Menge möglicher Parkplatz. Wie muss sich ein dringend der Ruhe bedürftiger Brummi-Fahrer fühlen, wenn er hier vorbei fährt?

 

 

 

Wachstum auf Kosten der FernfahrerDeutschland = Transitland

Deutschland ist Transitland Nr. 1 in Europa. Jeder, der Waren von Ost nach West oder von Nord nach Süd in Europa transportieren will, muss durch Deutschland. Aufgrund der natürlichen Grenzen - im Norden die Nord- und Ostsee und im Süden die Alpen - gibt es keine Transit-Alternative. Diese Mittelpunktlage bringt Deutschland natürlich eine große wirtschaftliche Prosperität. Selbstverständlich muss der durchlaufende Verkehr auch vernünftig gemanagt werden. Deutschlands Autobahnstraßenbau ist europaweit vorbildlich. Dagegen ist der Bereich "ruhender Verkehr" eine Katastrophe.

Der Leidensdruck der Fahrer ist groß!

Brummi-Fahrer, die ihre Pausen nicht einhalten, riskieren Bußgeld: 30 Euro je angefangene halbe Stunde. Eine klare Regel! Soviel Klarheit wünscht man sich denn aber auch bei den Vorschriften über die Zahl der Parkplätze entlang der Bundesautobahnen. Hier spricht der Gesetzgeber aber lediglich von "bedarfsgerecht" - und mogelt sich so aus der Verantwortung. Durch die LKW-Maut fließen alljährlich Milliarden Euro in den Bundeshaushalt. Trotzdem reichen die geplanten Maßnahmen und Ausgaben für den Aus- und Neubau von LKW-Parkplätzen nicht annähernd aus, um dem Platzmangel kurzfristig aber auch nachhaltig zu begegnen. Hier liegt ein eklatantes Missverhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben vor.

Menschunwürdige Verhältnisse

Im bösen Spiel um Zeitdruck, Konkurrenz und gestiegenes Frachtaufkommen haben die Fernfahrer eindeutig die schlechtesten Karten. Oft genug befinden sie sich in der Zwickmühle: entweder sie fahren so lange, bis sie einen legalen Parkplatz finden - dann überschreiten sie die zugelassene Lenkzeit. Oder aber sie halten diese Frist ein und verstoßen gegen Park- und Halteverbote und gefährden den Verkehr. Was an jedem Wochentag abends und nachts auf deutschen Autobahnen abläuft ist einfach skandalös: Tausende (!)  Fahrer suchen teiweise stundenlang ergebnislos mit ihrem LKW nach einem Schlafparkplatz. Der Leidensdruck der Fahrer ist vor allem nachts so groß, dass manche sogar riskieren, den Sattelzug direkt vor den Augen der Polizei im Halteverbot einzuparken. Die Ordnungshüter kennen die Probleme nur zu gut, müssen aber auch ihren Job machen und können den Truckern nicht weiter helfen. Auf keinen Fall tolerieren sie einen falsch geparkten LKW! Dafür drücken sie dann lieber ein Auge bei den Fahrtzeiten zu, als dass sie gefährliche Konstellationen an Parkplatzein- und -ausfahrten akzeptieren.

Die meisten Raststätten sind abends so voll, dass verbotswidrig nicht nur die absoluten Halteverbote, sondern auch die Einschleif- und Ausfahrtspuren (oft bis in  die Autobahn hinein) voll geparkt sind. LKW-Fahrer können, wenn sie nicht die ganze Autobahn-Raststätte lahm legen wollen, nicht einmal die Toilette aufsuchen. Auch die Autohöfe sind meistens überfüllt und dazu werden als Ausgleich für den Umsatzrückgang durch den Tanktourismus Parkplatzgebühren erhoben. So müssen dann Tausende von LKW-Fahrern auf gut Glück irgendwelche Autobahnausfahrten ansteuern und stellen sich in Gewerbegebieten, auf kleinen unbewirtschafteten Parkplätzen, aber auch entlang von Feldern und nahe gelegenen Wohngebieten zum Übernachten auf. Um überhaupt einen solchen Parkplatz zu finden, sind manche LKW-Fahrer eine halbe oder ganze Stunde unterwegs und überschreiten damit natürlich ihre vorgegebenen Lenk- und Ruhezeiten. Wie sollen sie diese auch einhalten, wenn sie keinen Parkplatz finden?

Wer braucht jetzt noch Gutachten?

Seit Jahren werden diese menschenunwürdigen Verhältnisse geduldet. Im Bundesverkehrsministerium ist von all dem noch gar nichts angekommen. Dort sagt man zwar, dass es in Deutschland auf den BAB an LKW-Parkplätzen mangelt - aber man "muss sich von der Situation im Rahmen eines mehrjährigen Gutachtens erst ein genaues Bild machen"!

Ware liefern? - Ja!  Parken? - Nein!

Weiterhin ist das Thema Gewerbegebiet von hoher Bedeutung. Nicht nur in Ballungsräumen werden in großem Umfang neue Gewerbegebiete angelegt, noch dazu häufig in BAB-Nähe. Die dort siedelnden Betriebe, Anwohner und Kunden wollen beliefert und versorgt werden, sind also Nutznießer des Gütervekehrs. Es liegt also geradezu auf der Hand, dass die Betriebe - letztlich über den vom Konsumenten zu entrichtenden Preis - zur Finanzierung der Schaffung einer entsprechenden Verkehrsinfrastruktur heran gezogen werden. Da den Kommunen für die Gestellung von LKW-Parkplätzen nur hohe Kosten für Bereitsstellung und Unterhalt  entstehen, sieht Camion Pro die jeweils Planungsverantwortlichen in der Pflicht, bei Ausweisung von Gewerbegebieten ab einer bestimmten Größe, die Anlage von LKW-geeigneten Parkplätzen und die nötigen Hygierne-Einrichtungen vorzuschreiben.

Lesen Sie im 3. Teil zu unserem Skandalthema:

"Truck-o-Phobie"

oder:

Wie geht man in Deutschland mit dem Berufsstand "Fernfahrer" um? 

   
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