Europas Kleinunternehmer und Fahrer gehen zum „Gegenangriff“ über!
Letzte Aktualisierung ( Montag, 16. Juli 2012 )
 

Europas Kleinunternehmer und Fahrer gehen zum „Gegenangriff“ über!

v.r.  Andreas Jedamzik, Klaas Dewaart und A. Mossyrsch stimmen weitere Aktionen ab.
v.r. Andreas Jedamzik, Klaas Dewaart und A. Mossyrsch stimmen weitere Aktionen ab.


Sozialdumping und Wettbewerbsverzerrungen treiben immer mehr westeuropäische Transportunternehmen in den Ruin. Am Samstag, dem 07.07.2012, ist bei einer Kundgebung am Autohof Braunschweig, von sieben Internationalen Organisationen, eine möglicherweise weitreichende Entscheidung getroffen worden.

Sozialdumping und Wettbewerbsverzerrungen treiben immer mehr westeuropäische
Transportunternehmen in den Ruin. International sind Erträge und Löhne in der Transportbranche seit Jahren rückläufig. In vielen europäischen Ländern regt sich Widerstand gegen die EU-Politik und die offensichtliche Ignoranz der politischen Führung der Mitgliedsstaaten. Fahrer und Unternehmerverbände wie der holländische VERN oder die belgische Owner Drivers United machen schon seit Längerem mobil.
Am Samstag, dem 07.07.2012, ist bei einer Kundgebung am Autohof Braunschweig, die der Kraftfahrer-Club Deutschland e.V. organisierte, eine möglicherweise weitreichende Entscheidung getroffen worden.

Gegenangriff
Gegenangriff
Neun Verbands-Chefs aus insgesamt sieben Staaten der EU beschlossen die Gründung der Kooperation „Focus Europe“. Das Aktionsbündnis soll zu einer Europa-Organisation werden und Aktionen in ganz Europa organisieren.
Von deutscher Seite sind dem Bündnis drei Organisationen beigetreten: 1. Kraftfahrer-Club Deutschland e.V., 2. ProLKW und 3. Camion Pro e.V.
Die Redner auf der Veranstaltung und Mitbegründer des Aktionsbündnis waren:  

Dirk Segers und Kris Fruru, Owner Drivers United, Belgien

Doroteo Rojas, Basisgewerkschaft CNT, Spanien

Robert Jacobsen, T&M, Dänemark

Ingo Schulze, Kraftfahrer-Club Deutschland e.V.

Klaas Dewaart, VERN, Niederlande

Andreas Jedamzik, ProLKW, Deutschland

Andreas Mossyrsch, Camion Pro e.V., Deutschland

Eine Organisation aus Norwegen und sogar eine polnische Gewerkschaft haben per Video-Botschaft ihre Solidarität bekundet.

Die Position von Camion Pro ist klar. „Camion Pro wird die Iniative mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen. Die Anliegen der Unternehmer und Fahrer sind legitim, die Mittel zu deren Durchsetzung müssen rechtsstaatlich bleiben, darauf haben wir uns am Sonntag geeinigt. Wir haben hier wackere Mitstreiter, die in Belgien und Holland Tausende Menschen mobilisiert und sogar Autobahnen blockiert haben. Das wird in Deutschland so nicht gehen, aber die Aktionen müssen trotzdem auch in Deutschland maximale Wirkung erzielen“, so Camion-Pro-Vorstand Andreas Mossyrsch.

Auszüge aus der Rede von Andreas Mossyrsch Camion Pro Deutschland e.V.
Forderungskatalog von Camion Pro e.V.


Die Menschen in osteuropäischen Ländern erhoffen sich vom EU-Beitritt eine wesentliche Verbesserung der Einkommensverhältnisse und des Sozialstandards. Was wir jedoch seit einigen Jahren in der Transportbranche erleben, ist genau das Gegenteil: Transportpreise und Löhne bewegen sich auf südosteuropäische Verhältnisse zu! Verantwortlich hierfür sind die erheblichen Wettbewerbsverzerrungen und ein Sozialdumping, vor allem aus Ländern wie Rumänien und Bulgarien!
Die Folgen sind:
- sinkende Einkommen der Fahrer in Deutschland,
- Unternehmenspleiten vor allem der kleinen Unternehmen
 in Deutschland.


Die Fahrer leben in ihren Fahrzeugen und die Lebensmittel werden aus den Heimatländern mitgebracht. In Polen werden die Tanks noch einmal vollgemacht, dann wer den 1.000 km ohne Tankstopp in Europa gefahren.

D. h. die Kosten werden zu ca. 90-95 % aus Rumänien und Bulgarien importiert und die heimischen Unternehmen müssen mit westeuropäischen Kosten konkurrieren. Die Unternehmen der deutschen Transportbranche stellen sich gerne einem fairen Wettbewerb. Aber bitte zu gleichen Bedingungen!
Was wir hier erleben, ist kein fairer Wettbewerb, das ist so, wie wenn man mit einem Messer zu einer Schießerei geht. Bei der Vereinigung Europas muss der Grundsatz gelten, dass Osteuropa westeuropäische Lebens- und Arbeitsbedingungen erreicht und nicht umgekehrt!

Camion Pro fordert


1. Die sofortige Aussetzung der Kabotage für die Mitgliedsstaaten Bulgarien und Rumänien gemäß Artikel 10 der Verordnung Nr. 1072/2009 des Europäischen Parlaments vom 21. Oktober 2009.


2. Die Politik muss glaubhafte Konzepte und Strategien zur Verhinderung von Sozialdumping und Wettbewerbsverzerrungen entwickeln und die Bekämpfung von Sozialversicherungsbetrug durch Briefkastenfirmen sicherstellen!
Das bloße Vereinbaren von Maßnahmen reicht nicht aus! Eine weitreichende Überprüfung der Einhaltung der Beschlüsse durch Organe der EU muss sichergestellt werden.
Das Beispiel Griechenland zeigt uns ja, dass es bei der Umsetzung von EU-Beschlüssen erhebliche Unterschiede in der Umsetzungskultur innerhalb der Europäischen Union gibt!


3. Fahrer aus Osteuropa, die in Westeuropa Transporte durchführen, müssen zu denselben Sozialstandards und Mindestlöhnen angestellt werden wie Arbeitnehmer aus Westeuropa! Camion Pro fordert die Einführung eines EU-weit einheitlichen Mindestlohns (auf westeuropäischem Niveau) und europaweit einheitliche Sozial- und Krankenver¬sicherungsbedingungen für alle im internationalen Gütertransport Tätigen.

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